Gestopft

Hier ein kleiner Nachtrag: dicker Stab, wenig Maschen, großer Hohlraum, während des Arbeitens gefüllt mit Filzkugeln:


Kalibrieren überflüssig, ziehen und formen mit den Fingern genügt.

Stricken mit Yoola

Wer sich im vorigen Post (also einer weiter unten) über das gestrickte Musterstück zwischen den Zähnen des Seitenschneiders gewundert hat: Ja, ich habe etwas Neues entdeckt, nämlich Yoola's Drahtstrickliesel. Sie nennt sie "ISK - invisible spool knitting". Es sind verschieden große Kunststoffspulen, die als Basis für einen mit Draht (0,315mm) gehäkelten Schlauch dienen. Und auch dabei gilt: es sieht aus wie gestrickt, ist es aber nicht; es wird mit der Häkelnadel gearbeitet, aber es kommt nichts Gehäkeltes dabei heraus. Und die weitere Parallele zu "Wikinger Stricken": es wird am Ende kalibriert.

So wird die Spule vorbereitet:

Dies ist eine Kette mit noch anhängender Spule

Und so wird "gestrickt/-häkelt":


Ketten sehen dann so aus:



Mehr Info dazu gibt es in meinem neuen Blog Drahtschmuck



Mein neues Lieblingswerkzeug

Endlich ist er da: der superscharfe spitze Seitenschneider. Ich bin ganz begeistert wie gut sich damit arbeiten läßt. Er kommt auch in enge Maschen und ich habe ihn bis zur Drahtstärke 2,0mm beim Kupferkern und 0,5mm beim Edelstahldraht getestet.


 

Experimente mit 4 Maschen

4 Ecken ergeben ja bekanntermaßen keine Rundung, darum arbeite ich meistens mindestens mit 5 Maschen. Allerdings biete ich gelegentlich Workshops an und musste feststellen, daß Anfängerinnen (Männer habe ich nur extrem selten im Workshop) bei einer 5-Maschen-Kette in 2 Stunden nicht sehr weit kommen. Da ich demnächst einen Workshop in nur 1,5 Stunden halten soll, habe ich mal ausprobiert, ob es nicht auch mit 4 Maschen geht (immer mit 0,5mm Draht um einen 10mm Stab).

[Nachtrag: der Workshop fand inzwischen statt und meine Teilnehmerinnen waren wirklich flott, aber am Ende wurden es zwei Stunden (bei vorbereitetem Anfang für jede - das mache ich bei Workshops gundsätzlich) und mehrere fertige Armbänder.]

Es geht!
Hier einige Armbänder als Beispiele für das Minimalziel:
Rechts außen hellblau/kupferfarben und links oben rosa/rot/grau: einlagig - das ist schon recht zart für den Verschluß.
Ganz oben: grün zweilagig, hellgold einlagig: ergibt eine sehr interessante Kombination
Mitte und links unten: zweilagig, sehr schönes Ergebnis und nicht so eckig wie gedacht.
Alle wurden auf 6 mm kalibriert.




Für schnellere Fädlerinnen zwei Beispiele für Halsketten. Auch hier beide Ketten mit 4 Maschen und zweilagig. Die äußere, "Edelmetall" mit rauchgrau, altsilber, schwarz, hell gold und bronze-patina ist auf 6 mm kalibriert.
Die Kette innen mit dunkelblau, altsilber, hellblau, eisblau, türkis (ich hatte Lust auf den Griff in die Farbkiste), wurde auf 8 mm kalibriert.
Bei beiden "fehlt" die 5. Masche nicht wirklich, die dickere Kette wäre aber vom Volumen her mein Favorit.


Darum hier nochmal ein Einzelfoto.


Die Daten:
Draht: 0,5 mm
Stab: 10 mm
Maschen: 4
Beim einlagigen Arbeiten ergeben 10 cm nach dem Kalibrieren auf 6 mm fast 20cm
Beim zweilagigen Arbeiten kommen 20 cm nach dem Kalibrieren auf 6 mm auf ca 30cm

Wie viel Draht?

Wie lang sollte das Drahtende sein mit dem ich arbeite?
Je dünner der Draht, desto größer ist die Gefahr, daß man beim Arbeiten Schlaufen bekommt, die zu unangenehmen Knicken werden. Schlaufen sollten immer zurück gedreht werden. Und mit dünnerem Draht sollte man daher immer etwas vorsichtiger umgehen.

Die Länge des Drahtstücks hängt auch davon ab, wie geübt man ist. Mir reicht in der Regel eine Armlänge (zwischen beiden locker ausgebreiteten Armen), das dürfte gut 1 m sein.

Tipp: wenn ich nur kürzere Drahtstücke brauche, weil ich häufig die Farbe wechsle, dann schneide ich dennoch ein längeres Stück Draht ab, weil ich mit längeren "Resten" eher etwas anfangen kann, als mit den 10 cm um die ich mich verschätzt habe. Die Reststücke kann man auf eine leere Spule wickeln.

Komprimieren / Kalibrieren

Das Durchziehen gestrickter Ketten durch immer kleinere Öffnungen in einem Ziehholz oder Ziehbrett (das nicht unbedingt aus Holz sein muß) nennen Goldschmiede "kalibrieren". Lt Duden bedeutet es, ein Werkstück auf ein einheitliches Maß zu bringen.
Die Kette wird bei dem Vorgang auch komprimiert - sie wird im Umfang kleiner. Und sie wird glatt und flexibel, weil Unebenheiten nach innen gedrückt werden. Gleichzeitig wird sie länger: der reduzierte Umfang geht in die Länge über.

Eine Frage ist, wie weit man beim Kalibrieren geht. Wenn ein Kettenverschluß angebracht werden soll, orientiert man sich z.B. an seiner Größe. Ich kalibriere zweilagig gestrickte Ketten (10mm Stab, 6 Maschen, 0,5mm Draht) in der Regel nicht unter 6 mm (auch einlagige meist nicht stärker), weil sie locker und flexibel bleiben sollen. Man kann das natürlich weiter treiben. Die Erfahrung zeigt, daß selbst extrem kalibrierte Ketten immer noch eine gewisse Beweglichkeit aufweisen.

Ein Problem bei so stark kalibrierten Ketten ist allerdings, daß die Maschen dabei sehr lang und damit die Drahtansätze in die Masche hinein gezogen werden können - und das heißt: aus dem Inneren der Kette heraus. Sprich: es gibt außen Stacheln.
Wenn man also die Kette sehr stark kalibrieren will, sollte man die Ansätze länger lassen.

Ansonsten gilt wie immer: nach außen stehende Drahtenden mit einer Backe einer Rundzange nach innen drücken.




Einlagig, auf 6 mm kalibriert, die Kette bleibt locker und durchsichtig
Einlagig, auf 4 mm kalibriert, die Kette wird fester und massiver